Plattformökonomie: Mehrwert durch direkten Austausch

Hinweis: Sie lesen nachfolgend einen Auszug aus dem abgedruckten Artikel der Ausgabe 4 / 2019 unseres Magazins. Die jeweils aktuelle Print-Ausgabe bestellen Sie über die Formulare auf dieser Web

Vertrauen ins Web? Hat nachgelassen

In Zeiten von Fake-News und Cambridge-Analytica-Skandal haben die Giganten der Social-Media viel Vertrauen verspielt: Laut einer Umfrage des Centre for International Governance Innovation (CIGI) halten zwei Drittel der Internetnutzer soziale Medien für nicht vertrauenswürdig. Da wundert es nicht, dass sich kreative Köpfe Gedanken machen, wie sie neuer Technologien in innovativen Geschäftsmodellen einsetzen können. So versprechen beispielsweise auf der Blockchain basierende Social-Media-Plattformen mehr Datensicherheit und honorieren ihre User zudem für die Veröffentlichung von Beiträgen.

Eine neue Social-Media-Generation

Inhaltlich irgendwo zwischen dem News-Aggregator Reddit und Facebook einzuordnen, hat sich Steemit als Blockchain-basiertes Social Network einen Namen gemacht: Auf der Plattform können die User – auch „Steemians“ genannt – Texte und Bilder veröffentlichen, verdienen dort aber mit jedem Post sogenannte Steem-Coins. Die Höhe hängt davon ab, wie viele Steemians für den Post gevotet haben. Nach einer Woche lassen sich die Coins auf den Account übertragen und in andere Währungen umtauschen. Im Frühjahr 2016 gestartet, zählt Steemit mittlerweile rund 1,2 Millionen registrierte User.

Bei Sapien können User jede Art von Content veröffentlichen, egal ob Blogpost, ein einfacher Link, Bilder, Videos oder Umfragen. Die Plattform setzt auf die eigene Blockchain-Technologie und eine eigene Kryptowährung. Mit Sapien wollen die Macher den Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben, dank verifizierter Profile Fake-News abschwören und die Community dazu animieren, qualitativ hochwertige Inhalte zu monetarisieren.

Auf diese Weise hofft die noch junge Plattform, das führende Blockchain-basierte soziale Netzwerk zu werden. „Ich finde hier viele gute Inhalte, kann meine eigenen Links posten und so Traffic auf meine Webseite lenken“, schreibt Sapien-Nutzer „techfreak“. Ein Anfang. Denn Sapien zählt derzeit erst knapp 7.000 aktive User.

Wie funktioniert die neue Plattformökonomie?

Facebook, das weltgrößtes Medienunternehmen, produziert keine eigenen Inhalte. Uber, das größte Taxiunternehmen, besitzt keine eigenen Fahrzeuge. Und AirBnB, der größte Wohnraumanbieter, verfügt über keine eigenen Zimmer. Plattformen funktionieren anders als lineare Geschäftsmodelle. „Etwa zehn Prozent des Weltsozialprodukts werden mittlerweile über Plattformen erwirtschaftet“, sagt Hamidreza Hosseini, Experte für Plattformökonomie und Gründer des Beratungsunternehmens Ecodynamics. Ihr Schlüssel zum Erfolg: die Vernetzung von Marktteilnehmern.

Mehrwert generieren

In diesen Ökosystemen folgen viele Konsumenten Verhaltensroutinen. Experten sprechen von einem Lock-in-Effekt. Möchten sich neue Plattformen auf dem Markt etablieren, dürfen sie diesen Effekt nicht unterschätzen, um die Massen auf die eigene Plattform zu ziehen. „Kunden werden nur dann die Plattform wechseln, wenn sie eine wirkliche Innovation, einen besseren Service oder einen anderen Mehrwert bietet, den sie aus ihrem gewohnten Ökosystem so nicht kennen“, sagt Hosseini.

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