Frauen waren die Ersten

„Frauen sind Naturtalente im Programmieren“, äußerte in den 60ern die Programmiererin Grace Hopper im Cosmopolitan Magazin. Fachkräftemangel war in diesem Jahrzehnt genau wie heute in der IT-Branche ein Problem. Das damalige Interview im Cosmopolitan könnte man als „Imagekampagne“ einordnen – mit dem Ziel, Frauen für den Beruf als Programmiererin zu interessieren.

Zunächst ein unbeliebter Job

Unter Programmieren verstand man allerdings in den Anfängen der IT zwischen den 30ern und den 50ern etwas anderes als heute. Programmentwürfe mussten mühsam und Schritt für Schritt in Maschinencode übersetzt werden. Diese Arbeit wurde als Bürotätigkeit mit niedrigem gesellschaftlichen Status angesehen. Gerade passend für Frauen, denen damals vor allem der Status als Ehe- und Hausfrau zugewiesen wurde. Diese Ansicht hielt sich auch während des zweiten Weltkriegs noch hartnäckig. Allerdings schafften Frauen es in diesen Jahren trotzdem, sich infolge des Männermangels Zugang zu höheren Qualifizierungen zu verschaffen.

„Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“ (Grace Hopper)

 
Pionierinnen

Grace Hopper arbeitete an der amerikanischen Harvard Universität mit dem ersten vollelektronischen Rechner der Welt, dem Mark 1. Auch dessen Nachfolger, der Eniac, wurde von Frauen programmiert. Bei der offiziellen Vorstellung des Eniac im Jahr 1946 wurden allerdings nur die am Projekt beteiligten Männer genannt. Erst vierzig Jahre später erhielten die beteiligten Frauen die ihnen zustehende Würdigung, weil eine Informatikstudentin an der Harvard gründlich recherchierte.

Wandel zum Männerberuf

Ab den 60ern stieg der Bedarf an Fachkräften für die Datenverarbeitung schnell an. Durch die kommerzielle Serienproduktion verschiedener Rechnertypen waren Computer nicht mehr nur für Militär und Forschung von Interesse. Erste Rechner für den Hausgebrauch entstanden, außerdem hielten sie Einzug in die Büros von Unternehmen. In den 80ern etablieren sich Personal Computer dann endgültig. Konzerne wie die Nixdorf Computer AG, IBM und Intel entstanden. Computer wurden immer leistungsfähiger, die Entwicklerwelt wurde männlich.

Klischees halten sich hartnäckig

Egal, ob es um den bärtigen Softwareentwickler geht, der bei runtergelassenen Jalousien neben seiner Schreibtischlampe auf die Tasten hämmert oder um das Mädchen, das Mathematik ohnehin nicht versteht und darüber hinaus Angst vor sozialer Ächtung hat, falls sie sich für IT interessiert. Klischees sterben nicht aus. Das zeigte zuletzt die Hollywood-Produktion „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ aus dem Jahr 2017. Der Film schildert in schillernden Tönen die Geschichte dreier afroamerikanischer Mathematikerinnen, die maßgeblich an den Mercury- und Apolloprogrammen der NASA mit gearbeitet haben.

Auf in die Zukunft

Umso erheiternder ist das nachfolgende Video der gemeinnützigen Organisation „Girls Who Code“, das mit schrägen Erklärungen wie „Wegen meiner langen Wimpern kann ich kaum den Bildschirm sehen“ aufwartet – und so (vermeintlich) erklärt, warum Mädchen nicht programmieren wollen. Die eigentliche Absicht des Vereins ist natürlich, Klischees zu thematisieren und zu entkräften.

 

Um Sexismus, Chavinismus und Männerbünden entgegen zu wirken, organisieren sich Frauen aus der IT-Branche schon seit längerem in Vereinen und Verbänden wie zum Beispiel den Geekettes, Webgrrls oder Haecksen.

Und auch in der Branche selbst hat ein Umdenken begonnen, denn Fachkräfte sind erneut Mangelware. Weiterhin Jungs und Männer in Ausbildung, Stellenbesetzung und Bezahlung zu bevorzugen, macht keinen Sinn. Unternehmen versuchen daher konsequent, Mädchen und Frauen für die sogenannten MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt mehrere Millionen Euro jährlich für die Kampagne „Komm nach MINT“ aus.

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