Zu Besuch bei Erfindern, Tüftlern und Bastlern

Hinweis: Sie lesen nachfolgend einen Auszug aus dem abgedruckten Artikel der Ausgabe 4 / 2019 unseres Magazins. Die jeweils aktuelle Print-Ausgabe bestellen Sie über die Formulare auf dieser Website. Wollen Sie eine ältere Ausgabe lesen, schreiben Sie uns an redaktion@datareport.de

Im OpenLab Hamburg

Ein geschäftiges Surren erfüllt die Räume. Von einem großen Flur zweigen etliche Büros und Werkstätten ab. Aus einem ruft eine freundliche Stimme: „Gehen Sie gern rein und schauen Sie sich um.“ Es gibt hier keine Geheimniskrämerei, alles ist offen.

Wie schon der Name sagt: Wir sind im OpenLab – dem offenen Laboratorium – der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Auf dem Innovations-Campus der Uni steht neben einer Großbaustelle ein Konstrukt aus Wohncontainern, das einen der wohl zukunftsträchtigsten Orte der Hansestadt beheimatet.

Laborleiter und Mitinitiator dieses Projekts ist Tobias Redlich. Er ist neben Jens Wulfsberg vom Laboratorium Fertigungstechnik (LaFT) der Helmut-Schmidt-Universität einer der Initiatoren des OpenLabs. Tobias Redlich zeigt uns, was da in sprudelkistengroßen Apparaturen so fleißig und wie von Geisterhand gesteuert vor sich hin arbeitet. Es sind 3D-Drucker. Schicht für Schicht entstehen in ihnen Bauteile und komplette Werkstücke. Bei einigen ahnt man schon, was aus ihnen entstehen soll, andere sind noch im Aufbau.

Jeder kann hier produzieren

Im Raum daneben steht ein wissenschaftlicher Mitarbeiter neben einem sehr ähnlichen Gerät, das aber viel größer ist. „Schauen Sie mal“, sagt Redlich. „Den Stuhl hier haben wir darin gedruckt.“ Der Stuhl ist eher ein Hocker aus Kunststoff in sehr auffälligem Design, das ein wenig an Korallen erinnert. „Die Struktur stützt sich bei der Herstellung selbst, so dass dieses Teil ohne Stützkonstruktion vom 3D-Drucker produziert werden kann.“

Fertigungsstätten wie diese werden auch „FabLab“ genannt, fabrication laboratory im Englischen oder halt Fabrikationslabor übersetzt. Die Idee dafür entstand im Jahr 2002 am Massachusetts Institute of Technology, auch als MIT bekannt. Das erste deutsche FabLab wurde 2009 an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) eingerichtet. FabLabs sollen Einzelnen die Möglichkeit geben, ihre Projekte mit leistungsfähigen industriellen Produktionsverfahren umzusetzen.

Im Hamburger OpenLab steht dafür ein beeindruckender Maschinenpark zur Verfügung. Neben 3-D-Druckern unterschiedlicher Größe gibt es Lasercutter, verschiedene CNC-Fräsen (Anmerkung: CNC steht für Computerized Numerical Control, die Fräsen arbeiten automatisiert) und eine CNC-Drehmaschine sowie viele Werkzeuge wie Standbohrmaschine, Kappsäge und Akkubohrer.

Eine Elektronikwerkstatt ergänzt das Ganze. Theoretisch könnte man hier vom kleinen Ersatzteil bis zum Auto alles herstellen. „Wir ermöglichen hier den niedrigschwelligen Zugang zu Produktionstechnologien. Bei uns kann jede und jeder sein Projekt mit modernster Fertigungstechnik realisieren“, erklärt Redlich.

Beispiel: Die Klasse 12b des Wirtschaftsgymnasiums City Nord erkundet das OpenLab

Wissen und Erfahrung teilen

Werfen wir hier einen Blick in die Zukunft der Fertigung? So euphorisch und mitreißend Tobias Redlich sonst über das OpenLab spricht, so bescheiden meint er hier: „Es ist ein Anfang.“ Um dann aber nachzuschieben: „Wir sind eine immer weiterwachsende globale Bewegung.“ Die Zahl der FabLabs steigt rasant. In diesen offenen Werkstätten können Ideen unter anderem mithilfe computergesteuerter Fertigung in die Tat umgesetzt werden. „Wir stellen dafür Hightech-Maschinen und das notwendige Wissen zur Verfügung.“ Bildung sei ein zentrales Anliegen. „Wir bringen jedem innerhalb von drei Stunden bei, wie 3-D-Werkteile hergestellt werden können.“

Deutschlandweit: die Maker sind unterwegs

In Deutschland gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt ein FabLab oder eine Gruppe von sogenannten „Makern“, die eines eröffnen möchten. Erfinder, Tüftler und Bastler können hier Dinge herstellen, für die man sonst größere Werkstätten oder gar Fabriken bräuchte. Sie werden dabei unterstützt von Ingenieuren, Künstlern, Programmierinnen – Laien und Profis jeder Couleur. Und sie teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen wiederum mit allen.

„Wir machen Open Hardware“

„Im Softwarebereich kennt man Open Source – wir machen Open Hardware“, sagt Redlich. „Der Austausch, das Lernen und das Teilen von Wissen sind hierbei zentral. Und sie sorgen nicht nur für eine stetige Ausbreitung der Idee, sondern auch für immer bessere Lösungen.“ Ein Effekt, wie er im Softwarebereich längst von Angeboten wie Wikipedia oder WordPress bekannt ist: Open Source wird von der Community laufend weiter verbessert und somit Schritt für Schritt besser durch das Wissen der Vielen.

Ein Interview mit Tobias Redlich finden Sie gleichfalls in der aktuellen Print-Ausgabe Nummer 4 /2019. Bestellen Sie das Heft hier einmalig oder auf Dauer. Wir haben immer wieder interessante Artikel zu den Themen Digitalisierung und neue Technologien.

Mehr Input

  • Hamburg ist die erste deutsche Stadt im Projekt FabCity – Nachhaltige Städte der Zukunft
    Homepage der Initiative
  • Das OpenLab der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
    Homepage

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