Falschinformationen im Netz werden immer professioneller. Sie manipulieren Meinungen. Sie zu erkennen, ist eine sicherheitspolitische Aufgabe, um die demokratische Gesellschaft zu schützen.

Das Verschwinden von Fakten

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Das Verschwinden von Fakten

Manipulation und Meinungsmache: Bots in Sozialen Netzwerken

Social Bots manipulieren Fakten und beeinflussen Meinungen. Es braucht Medienkompetenz und technische Lösungen, um Desinformation im Netz zu erkennen. Ein Meinungsbeitrag von Tabea Wilke.

Soziale Netzwerke sind ein Teil des Mediensystems geworden: Elf Prozent der Menschen in westlichen Ländern nutzen Twitter als Nachrichtenquelle. Facebook verzeichnete im Jahr 2018 insgesamt 1,52 Milliarden aktive Nutzer täglich – fast ein Fünftel der Weltbevölkerung.

In den vergangenen Jahren sind soziale Netzwerke nicht nur zu zentralen Informationsplattformen geworden, sondern auch zu wirkmächtigen Instrumenten, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Staatliche Akteure versuchen, mit professionell durchgeführter Propaganda und Desinformation politischen Einfluss zu gewinnen. Und wirtschaftliche Akteure zielen mit rufschädigenden Kampagnen gegen Unternehmen und Produkte auf Wettbewerbsvorteile. Soziale Netzwerke sind heute zentrale Arenen des Ringens um die Informations- und Deutungshoheit.

Fakes werden immer professioneller

Durch die Professionalität und das täglich wechselnde Erscheinungsbild der Einflussnahme wird es für Menschen immer schwieriger, seriöse von manipulierten Informationen zu unterscheiden. Dies gilt besonders bei emotionalen Themen und während akuter Lagen, wie Wahlen, Naturkatastrophen und Terroranschlägen, in denen soziale Netzwerke oftmals die erste Nachrichtenquelle sind.

Diese Entwicklung hat einen direkten Bezug zu neuesten Technologien: Eine Software kann eine große Anzahl von Accounts auf Twitter automatisiert steuern, so dass diese wie menschliche Accounts wirken (Social Bots). Durch sie werden Mehrheiten vorgetäuscht und Diskussion über gesellschaftliche Themen gezielt beeinflusst. Mit Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz entstehen authentisch wirkende Videos von Staatspräsidenten, die jedes beliebige Wort sagen können (Deep Fakes). Und sogar Desinformationskampagnen selbst werden vorgetäuscht, um den Gegner zu verwirren (False Flags Operations). Die Grenze zwischen Wahrheit und Fälschung verschwimmt, und Fakten verschwinden.

Videobeispiel für einen Deep Fake: Eine künstliche Intelligenz kreierte diesen digitalen Doppelgänger des amerikanischen Ex-Präsidenten Barak Obama. Sie legte ihm Sätze in den Mund, die er so nie gesagt hat – nachdem sie stundenlang mit Videos gefüttert wurde, in denen er spricht. Durch die Analyse der Lippenbewegungen, der Zähne, der Falten um den Mund und der Kopfhaltung lernte die KI, den Mundbewegungen passende Töne zuzuordnen. Das Experiment kann man hier (auf englisch) nachlesen.

 

Desinformationen rechtzeitig erkennen

Um den Bedrohungen für den digitalen Informationsraum zu begegnen, braucht es die Stärkung von Medienkompetenz und die Förderung der journalistischen Ausbildung, aber auch die kontinuierliche Einbeziehung technischer Lösungen, die sich unmittelbar an die wechselnden Methoden von Desinformation anpassen. Denn Desinformation rechtzeitig zu erkennen und das Wahre vom Gefälschten zu unterscheiden, ist eine der zentralen sicherheitspolitischen Herausforderungen für freie, demokratische Gesellschaften geworden.

 

Die Autorin

Tabea Wilke ist Gründerin und Geschäftsführerin des Technologieunternehmens botswatch GmbH, das auf die automatisierte Detektion von Fake News, Propaganda, Desinformation und Hack-and-Leak-Taktiken in sozialen Netzwerken spezialisiert ist.

Im Netz kursieren viele „Fake News“. Doch Falschmeldungen lassen sich oft mit einfachen Grundlagen aufdecken. Ein paar Tipps.

So entlarven Sie Fake News

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Fake News

Service: Fake News - So erkennt man Falschmeldungen im Netz

Nie war das Fälschen von Nachrichten so leicht wie im Zeitalter des Internets. Wie lassen sich „Falschmeldungen, „Fake News“, erkennen? Eine Anleitung.

Wer seine Meinung mit vielen Menschen teilen möchte, braucht keine Druckerpresse mehr. Ein Smartphone mit Internetzugang reicht aus, um viele Menschen zu erreichen. Fake News sind allerdings kein neues Phänomen. Falschmeldungen existieren so lange, wie es Nachrichten gibt.

Im digitalen Zeitalter aber ist eine Debatte über den Wahrheitsgehalt von Nachrichten entbrannt, die dem Begriff „Fake News“ gar einen Eintrag im Duden bescherte. Er beschreibt sie als „in den Medien und im Internet, besonders in den Social Media, in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen.“ Insbesondere die sozialen Medien sind voll von Falschmeldungen. Häufig geht es lediglich darum, Klicks und damit Werbeeinnahmen zu erzielen. Doch bisweilen stehen auch politische Motive dahinter. Fake News schüren Vorurteile gegenüber Minderheiten, verunglimpfen politische Gegner.

Serviceartikel: Fake News - So erkennen Sie Falschmeldungen im Netz

Das macht die Fähigkeit, den Wahrheitsgehalt von Informationen im Netz beurteilen zu können, zu einer Basiskompetenz für alle, die online unterwegs sind. Zum Glück lassen sich viele Fake News in wenigen Schritten identifizieren.

  •  Klingt etwas zu verrückt, um wahr zu sein? Dann ist es das wahrscheinlich auch. Die erste und wichtigste Regel lautet: Bleiben Sie skeptisch.
  • Wer oder was ist die Quelle? Bevor Sie die Glaubwürdigkeit einer Quelle beurteilen können, müssen Sie die Quelle bestimmen. Der erste Blick geht ins Impressum, oft als „Kontakt“ oder ähnlich benannt. Fehlt es, ist das sehr verdächtig. Tauchen im Impressum unbekannte Namen oder Organisationen auf, hilft eine entsprechende Suche im Internet. Wer in die Tiefe gehen möchte, kann auf speziellen Domain-Abfrage-Websites wie denic.de eine sogenannte „Who is“-Abfrage stellen und herausfinden, welche Person oder Organisation eine bestimmte Domain angemeldet hat. Manche Urheber von Fake News erschleichen sich ihre Glaubwürdigkeit, indem sie das Layout und die Webadresse (URL) seriöser Websites imitieren. So endet die URL eines solchen Imitats beispielsweise auf .info statt auf .org.
  • Wie glaubwürdig ist die Quelle? Welche sonstigen Beiträge haben die Website und der Autor oder die Autorin veröffentlicht? Finden sich viele reißerische oder nur wenige Inhalte, sollte das stutzig machen. Rechtschreib- oder Tippfehler, die Verwendung zahlreicher Adjektive, von Umgangssprache oder Schimpfwörtern deuten darauf hin: Hier ist kein Profi am Werk, hier schreibt sich jemand seinen Frust von der Seele. Verdächtig ist es auch, wenn gar kein Autor angegeben ist.
  • Ist die Nachricht überprüfbar? Fehlen in einer Nachricht Quellenangaben, ist das ohnehin ein schlechtes Zeichen. Sind Quellenangaben vorhanden, lohnt es sich, die Fakten auf der Website der vermeintlichen Urheber gegenzuchecken. Auch unabhängig davon können Sie für einzelne Zitate und Fakten prüfen, wer sie noch verbreitet. Diese Rückwärtssuche ist auch bei Fotos und Videos hilfreich, denn die können veraltet oder gefälscht sein oder schlicht eine andere Begebenheit zeigen. Anbieter wie Google oder RevEye ermitteln, wo im Netz ein Foto noch verwendet wird. Amnesty International bietet mit dem Youtube DataViewer ein Tool zur Überprüfung von Videos. Und nicht zuletzt lohnt der Blick auf das Veröffentlichungsdatum: Gerade in sozialen Medien werden oft alte Nachrichten geteilt.