Schlaue Brille für die Pflege

Lesedauer 2 Minuten

Wenn Pflegekräfte künftig mit klobigen, etwas verdunkelten Brillen arbeiten, dann eher nicht, weil sie vergessen haben, ihre Sonnenbrille abzusetzen. Das Gerät auf der Nase könnte vielmehr die sogenannte Pflegebrille sein.

Das ist eine Datenbrille, die Pflegerinnen und Pfleger mit speziell für Datenbrillen aufbereiteten Informationen und Anleitungen zu Pflegeaufgaben versorgt. Entwickelt hat sie das Institut für Informatik der Technischen Universität (TU) Clausthal. Im Projekt Pflegebrille 2.0. erforschen Wissenschaftler den Einsatz von Augmented Reality (AR) in der Pflege. Gemeint ist damit die computergestützte Erweiterung der Realität mithilfe Datenbrillen, die Informationen zu bestimmten Themen oder der Umgebung auf den  Innenseiten der Gläser einblenden.

Brille mit Innenleben

So funktioniert die Pflegebrille: Bei Bedarf können die Pflegekräfte sich via Kopfnicken durch ein Menü klicken, das im Display eingeblendet wird, und Informationen abrufen, die sie benötigen, um einen Patienten zu versorgen: etwa, wie Wundpflaster gewechselt werden. Oder die Brille demonstriert Schritt für Schritt, wie bei Menschen mit Lungenkrankheiten Schläuche gewechselt, Sekrete aus der Lunge abgesaugt oder Halszugänge gereinigt werden. Erprobt wird die Brille in der ambulanten und stationären Pflege.

In diesem Video stellt das Forscherteam der TU Clausthal die von ihm entwickelte Pflegebrille vor.

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Entlastung für Pflegekräfte

Warum eine Datenbrille für Pflegende? Das Fachwissen der Pfleger kann und soll sie nicht ersetzen, betont die TU Clausthal – aber ergänzen. Die Aufgaben in der Pflege sind schwierig, verantwortungsvoll und zunehmend geprägt von Zeitnot. Fehler können Menschenleben gefährden.

Bewährt, aber noch nicht marktreif

Die Forscher hatten bereits in einem Vorgängerprojekt den Einsatz von Datenbrillen in der Pflege erprobt. Hier ging es darum, eine Datenbrille zu entwickeln, die von Menschen genutzt wird, die zuhause Angehörige pflegen. Die positiven Ergebnisse führten dazu, Konzept, Software und Themen der Pflegebrille so weiterzuentwickeln, dass sie auch für ausgebildete Pfleger von Nutzen sind für ihre tägliche Arbeit.

Noch ist die Brille nicht marktreif. Die Forscher arbeiten weiter an Themen, die über die Brille abgerufen werden können. 2022 könnte sie laut der TU regulär eingesetzt werden. Kosten: rund 1.000 Euro. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Einsatz auch im Krankenhaus

Auch in Münster und Umgebung erproben Forscher und medizinische Einrichtungen Datenbrillen. Im Projekt „Partizipative Einführung von Datenbrillen in der Pflege im Krankenhaus (PARCURA)“ werden Datenbrillen beim Einsatz im Krankenhaus getestet. Beteiligt sind unter anderem die Fachhochschule Münster, die Hochschule Ruhr West und das St. Franziskus-Hospital in Münster. Das Projekt startete 2020, doch auch hier zeigen erste Zwischenergebnisse, ähnlich wie im Harz: Die Datenbrillen eignen sich durchaus für den Einsatz in der Pflege und der Medizin.

(Text: Kirsten Wohlfahrt)

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