Souverän mit der Blockchain

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Für die Verwaltung ist es oft unmöglich, die IT-Infrastruktur großer, international agierender Anbieter zu nutzen. Denn deren Daten liegen auf ausländischen Servern mit weniger strengen Schutzmaßnahmen als hierzulande vorgeschrieben. Um digital souverän zu bleiben, sucht die öffentliche Hand zunehmend nach Alternativen.

Eine dieser digitalen Lösungen könnte auf der Blockchain-Technologie beruhen. Die primär durch die Digitalwährung Bitcoin bekannte Blockchain ermöglicht die Speicherung und Weitergabe von kleineren Informationseinheiten in einem öffentlich einsehbaren Logbuch. Jeder Eintrag ist quasi fälschungssicher, da er einen digitalen Fingerabdruck erhält (einen sogenannten Hash-Wert) und mit sämtlichen anderen Inhalten zu einer Kette von Datenblöcken verknüpft wird. Manipulationsversuche an einem Detail würden die Eigenschaften der gesamten Struktur verändern und somit sofort auffallen.

Die Neue Züricher Zeitung erklärt die Blockchain-Technologie im Video:

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BLOCKCHAIN IM PROBEBETRIEB

Auch die öffentliche Hand könnte auf diese Weise amtliche Dokumente sicher und transparent für Bürgerinnen und Bürger speichern und verwalten. Daran arbeitet die Ende 2019 von deutschen IT-Dienstleistern (darunter auch Dataport) gegründete Genossenschaft Govdigital.

Seit Sommer 2021 läuft eine Blockchain im Probebetrieb, die speziell auf die hohen Anforderungen an Datenschutz und Transparenz in Deutschland zugeschnitten ist. Die Einträge des Logbuchs sind öffentlich einsehbar (public) und damit auch auf Zugriffe und Veränderungen hin überprüfbar. Die Rechtmäßigkeit neuer Einträge wird von den Betreiberinstitutionen selbst verifiziert (permissioned), basiert also auf einem Vertrauensmodell weniger untereinander bekannter Akteure.

Vorteile der Blockchain-Technologie:

Unabhängigkeit
UNABHÄNGIG VON BIG TECH

„Blockchainbasierte Netze könnten die Basis einer modernen, transparenten, sicheren und dezentralen öffentlichen Infrastruktur bilden“, sagt Maximilian Hartmann, Head of Consulting bei Blockchance UG, Veranstalter der gleichnamigen Konferenz. Konkret stellt Hartmann sich die öffentliche Ablage von Dokumenten vor, für die es besonders wichtig ist, dass sie nach der Speicherung unverändert bleiben – wie Führerscheine, Personalausweise oder Zeugnisse. Würde ein Zeugnis in der Blockchain manipuliert, fiele das durch einen veränderten digitalen Fingerabdruck sofort auf.

Transparenz
TRANSPARENTE DATEN

Mindestens genauso wichtig ist die Unabhängigkeit von großen Tech-Anbietern, die Daten immer öfter ausschließlich in Cloud-Systemen verarbeiten. Würde der Staat hingegen auf die Blockchain setzen, wäre transparent nachvollziehbar, was mit den Daten von Bürgern und Unternehmen geschieht, glaubt Peter Niehues von govdigital-Mitglied regio.IT. „Jeder kann sehen, was der Staat was der Staat über mich speichert und wie der Status eines Verwaltungsprozesses aussieht.“

Hinzu komme: „Statt Daten lediglich von einem einzelnen IT-Dienstleister managen zu lassen, können Bürgerinnen und Bürger sie einer ganzen Gruppe von Institutionen zur Verfügung stellen.“ Nach Meinung von Niehues würde das die Sicherheit der verwahrten Informationen und damit auch das Vertrauen in staatliche Datenverarbeitung deutlich erhöhen.

WANN IST DER EINSATZ SINNVOLL

Ob und in welchem Umfang sich die Blockchain tatsächlich in der Verwaltung durchsetzt, ist allerdings selbst unter den Govdigital-Mitgliedern noch nicht ganz ausgemacht. „Die manipulationsfreie Speicherung von Daten, wofür die Blockchain sehr gut ist, spielt nur in einem kleinen Teil der Verwaltungsprozesse eine Rolle, zum Beispiel bei Zeugnissen, die lange oder gar dauerhaft vorgehalten werden müssen“, erklärt Peter Niehues weiter. So wird ebenfalls diskutiert, inwieweit zeitlich befristete Anwendungen, etwa Parkscheine oder Identitätsnachweise, zur Validierung einer Blockchain bedürfen, wenn hierfür bereits etablierte Möglichkeiten wie Signaturen und Zertifikate genutzt werden können.

In der Europäischen Union schon getest

Fakt bleibt: Länder wie Estland nutzen die Blockchain bereits sehr erfolgreich in der öffentlichen Verwaltung, etwa zur Prüfung der Integrität medizinischer Dokumente. Und auch die Europäische Union (EU) hat im Rahmen ihres seit 2019 Projektes European Blockchain Services Infrastructure (EBSI) gleich eine ganze Reihe von spannenden Anwendungsmöglichkeiten im Blick, darunter der datenschutzkonforme Austausch von Daten zu Asylsuchenden und grenzübergreifenden Ansprüchen auf Sozialversicherung. Für Maximilian Hartmann von Blockchance ist das der richtige Weg. „Digitale Souveränität heißt, selbst über die Verwendung der eigenen Daten entscheiden zu können. Und hierzu leistet die Blockchain einen wichtigen Beitrag.“

(Text: Klaus Lüber)

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